Der Spökelberg: Burg, Villa und Fabrik

Der Spökelberg ist wohl der geschichtsträchtigste Ort Schiffbeks. Erstmalig erlangte er Bedeutung zu Beginn des 9. Jahrhunderts. In dieser Zeit wurde hier ein mehrere Meter hoher Wallring aus Erde aufgeworfen, dessen Krone mit Palisaden bewehrt war. Noch heute sind die Überreste des Walls gut zu erkennen. Der Durchbruch an der Nordseite wurde erst im 19. Jahrhundert hergestellt. Bis dahin befand sich der Zugang an der Südwestecke.
Die Burg sollte dazu dienen, die zu dieser Zeit etwa zehn Kilometer weiter westlich von den Franken errichtete Hammaburg, die Urzelle des heutigen Hamburgs, abzusichern. Für die Wahl des Standorts waren wohl zwei Faktoren ausschlaggebend. Zum einen lag der Spökelberg unmittelbar an der Fernhandelsstraße, die von alters her dem Nordrand des Elb-Urstromtals folgte und im Bereich der Hammaburg die Alster querte. Zum anderen handelte es sich beim Spökelberg um einen äußerst gut zu verteidigenden Ort: Er bildete nämlich einen Geestsporn, der im Süden unmittelbar an die Billeniederung grenzte, die im 9. Jahrhundert noch durch die normale Flut der Elbe überspült wurde, während im Osten das gleichfalls unwegsame Tal des Schleemer Baches anschloss. Gefahr drohte zu dieser Zeit insbesondere von den jenseits des heutigen Sachsenwaldes siedelnden Slawen.
Zu Beginn des 13. Jahrhunderts spielte die Spökelburg dann in der Auseinandersetzung zwischen Dänen und Schauenburgern eine Rolle: Nachdem der dänische König Waldemar II. im Jahr 1201 den Schauenburgern ihre nördlich der Elbe gelegenen Besitzungen entrissen und Albrecht von Orlamünde aus dem Geschlecht der Askanier zum Grafen von Holstein und Stormarn erhoben hatte, setzte dieser die Spökelburg noch einmal instand. Nunmehr sollte sie zur Absicherung des dänischen Herrschaftsgebiets dienen. Doch diese Phase währte nicht lange: Bereits im Jahr 1225 wurde sie von Hamburger Truppen, die von der Schlacht bei  Mölln zurückkehrten, wo sie den Schauenburger Adolf IV. erfolgreich bei der Rückeroberung seines Erblandes unterstützt hatten, geschleift.
In der Folgezeit verfiel der Ort wohl zusehends, und die Natur eroberte ihn sich zurück. Vermutlich geht sein heutiger Name ebenso auf diese Zeit zurück wie die Sage, dass dort eine goldene Wiege vergraben sei. Möglicherweise diente er in den folgenden Jahrhunderten den Bauern der umliegenden Gegend noch gelegentlich als Fluchtort. Im Jahr 1813 soll schließlich noch einmal der französische General Davout die günstige strategische Lage genutzt und hier eine Batterie in Stellung gebracht haben.
Nicht die strategische Lage, sondern die landschaftliche Schönheit wird dann im Jahre 1865 den Unternehmer L.G.C. Ullner veranlasst haben, den Spökelberg zu erwerben und hier die Villa zu errichten, die ihn noch heute krönt. 1870 wurde er Teilhaber der Firma Zipperling, Kessler & Co., wenig später ihr alleiniger Eigentümer. Das Unternehmen war darauf spezialisiert, Farbhölzer zu zermalen, und unterhielt zu diesem Zweck bereits zwei Mühlen in Wandsbek und am Lübschen Baum. 1876 folgte eine dritte, die direkt am Fuße des Spökelbergs errichtet wurde. Diese wurde mit Dampfkraft betrieben und war damit die erste Fabrik Schiffbeks. Die Zahl der Beschäftigten stieg von anfangs 17 über mehr als 70 im Jahr 1905 bis auf 200 am Vorabend der Weltwirtschaftskrise. Bis zu dieser Zeit hatte sich das Unternehmen auf die Herstellung von Schellack und Weißlack verlegt.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs produzierte die Firma noch bis Anfang der 1970er Jahre am Fuße des Spökelbergs. Dann musste die Fabrik - ebenso wie die Hallen der Jutespinnerei - der neuen Trasse der B5, die jetzt direkt am Ufer der Bille entlang geführt wurde, weichen. Das Unternehmen siedelte daraufhin nach Ahrensburg um.

Der Limes Saxoniae 

 

Von goldenen Wiegen und weißen Frauen: Der Spuk vom Spökelberg

 

 

 



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