Das Schicksal der Familie Laser


Die Ehepaar Laser kam um 1910 nach Schiffbek. Simon Laser war am 18.10.1882 in Wongrowitz in der Provinz Posen geboren worden, seine Frau Paula, geb. Schleimer, stammte aus dem westpreußischen Kahlbude, wo sie am 8.1.1881 das Licht der Welt erblickt und am 18.4.1908 den gemeinsamen Sohn Max geboren hatte. Zusammen mit ihnen zogen auch sechs  Brüder und zwei Schwestern Simons Lasers in den Hamburger Raum.  Ihre Eltern, Michael und Dorothea Laser, geb. Lipinski, gehörten zu den assimilierten, aber noch traditionsbewußten preußischen Juden. Simon und Paula Laser schlossen sich der jüdischen Gemeinde in Wandsbek an.


Simon Laser war ebenso wie seine Brüder gelernter Schneider und eröffnete noch vor dem Ersten Weltkrieg an der Ecke Hamburgerstraße/Hamburger Grenze (heute Billstedter Hauptstraße/Legienstraße) das "Bekleidungshaus Vulkan". Es handelte sich dabei um ein Geschäft für Herren- und Berufskleidung, bei dem der Verkauf überwiegend über Ratenkauf erfolgte.

 

Am 19.11.1915 wurde der zweite Sohn Rudi geboren, am 31.3.1919 folgte die Tochter Liselotte. Rudi wurde 1921 trotz des weiten Schulweg an der Talmud-Tora-Schule am Grindelhof eingeschult, die vermutlich auch sein Bruder Max besuchte. Bei Liselotte ist anzunehmen, dass sie ebenso wie ihre Cousinen Erna, Frieda und Felicia Laser aus Rothenburgsort zur jüdischen Mädchenschule in der Carolinenstraße ging. 1924 erkrankte Max an einer Kopfgrippe, die ihn zeitlebens erwerbsunfähig machte.

 

Das Geschäft florierte derweil, so dass Simon Laser 1925 auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Haus Hamburgerstraße 8 das gesamte Erdgeschoss erwerben konnte. Es umfasste eine Wohnung mit 5-6 Zimmern sowie mehrere Geschäfts- und Lagerräume, die er aufwändig aus- und umbaute und mit drei großen Schaufenstern versehen ließ. Neben den Familienmitgliedern arbeiteten ein bis zwei Angestellte im Geschäft und eine Haushaltsgehilfin bzw. Köchin im Haushalt mit. Das Einkommen ermöglichte der Familie nun für einige Jahre ein bürgerliches Leben. Dazu gehörten Reisen, bevorzugt in die Nord- und Ostseebäder sowie einmal zu einem Kuraufenthalt in Wiesbaden, und der Erwerb von Kunstgegenständen.

 

Nach dem Abschluss der Volksschule im Jahre 1929 begann Rudi eine kaufmännische Lehre beim Warenhaus Karstadt in Wandsbek, die er jedoch nach einem Jahr abbrach, um an die Staatliche Handelsschule, Fachschule für Einzelhandel, zu wechseln.  Im Anschluss an die dortige Ausbildung trat er 1933 in das elterliche Geschäft ein. Seine Schwester Liselotte machte ebenfalls eine kaufmännische Ausbildung und fand 1938 eine Anstellung bei der Firma Gebr. Gans am Neuen Wall 10.

 

Doch mit der nationalsozialistischen Machtübernahme im Frühjahr 1933 wurde die Situation für die Familie Laser schwieriger. Im April erfolgte der Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte. Insbesondere das Abzahlungsgeschäft ging nun spürbar zurück. Viele Kunden zahlten ihre Raten nicht mehr, die Außenstände ließen sich weder beitreiben noch kompensieren. Schließlich machte sich Rudi im Jahre 1936 als Vertreter für Konfektion und Stoffe selbständig, wobei er sein Büro im väterlichen Geschäft einrichtete. Als auch dieser Initiative kein Erfolg beschieden war, entschloss Rudi sich im Juli 1938 zur Auswanderung nach Argentinien. Wenig später verlor Liselotte durch das Novemberpogrom die gerade erst erlangte Anstellung bei Gebr. Gans, und vermutlich im Mai 1939 musste Simon Laser sein Geschäft in der Hamburgerstraße 8 schließen, da das Gebäude einer Straßenverbreiterung weichen sollte.

 

Als Jude erhielt Simon Laser keine Entschädigung, und aus rechtlichen wie materiellen Gründen konnte er nirgendwo neu beginnen. So verzog die Familie in die Heinrich-Barth-Straße 17 im Grindelviertel.  Zwar fand Simon Laser bei der Firma Blöcker in Altona eine Anstellung als Erdarbeiter, doch reichte sein Lohn nicht zum Unterhalt der Familie. Im Laufe des Jahres 1939 erhielt zunächst Max, dann die ganze Familie von der Fürsorgebehörde Hamburg laufende Beihilfe zum Unterhalt, vermutlich aus Krankheitsgründen.  Verwandte konnten ihnen nicht helfen, da sie selbst ebenfalls in ärmlichen Verhältnissen oder aber im Exil lebten.

 

Am 17.2.1940 erlag Liselotte einem Lungenleiden, am 25. Juni 1941 starb ihr Bruder Max. Wenig später begannen die Deportationen. Als erste aus Simon Lasers Familie traf es seine Schwester Clara, verheiratete Cohn, die am 8.11.1941 mit ihrem Mann Bruno von Harburg ins Getto von Minsk verbracht wurde. Simon und Paula Laser erhielten die Aufforderung zur "Evakuierung" zum 6.12.1941 nach Riga. Ihrem Transport gehörten auch ihre Nichte Felicia Laser, 23 Jahre alt, und ihr sechsjähiger Großneffe Manfred Laser, Tochter und Enkel von Max Laser, dem ältesten der fünf Brüder, an. Von ihnen allen fehlt jede weitere Spur.

 

(die Informationen wurden uns freundlicherweise von Hildegard Thevs zur Verfügung gestellt)



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