Die tote Bomberbesatzung von der Wegkoppel


„Wer Wind sät, wird Sturm ernten.“ Diese Weisheit bewahrheitete sich auch im Zweiten Weltkrieg: Nachdem die Deutsche Luftwaffe ab 1940 Terrorangriffe gegen die englische Zivilbevölkerung geflogen hatte, antworteten die Alliierten zwei Jahre später ihrerseits mit verheerenden Bombardements. Viele deutsche Städte wurden hierdurch schwer beschädigt, Hunderttausende verloren Hab und Gut oder gar ihr Leben. Neben Lübeck und Dresden gehörte Hamburg zu den besonders stark betroffenen Städten. Innerhalb weniger Tage wurden im Sommer 1943 durch mehrere Luftangriffe mit bis zu 800 Bombern große Teile der Stadt  in Schutt und Asche gelegt. Allein in der Nacht des sogenannten Feuersturms vom 27./28. Juli, der Hammerbrook, Rothenburgsort, Hamm, Horn, Borgfelde, Eilbek sowie Teile von Wandsbek und Barmbek zerstörte, starben schätzungsweise 35.000 Menschen.


Und auch in Billstedt hinterließ der Luftkrieg seine Spuren: Nachdem bereits zuvor überall Keller zu Luftschutzräumen ausgebaut und an verschiedenen Stellen, beispielsweise im Bereich der heutigen Schule Steinadlerweg, auf dem Gelände des ehemaligen Guts Steinfurth und auf dem Mümmelmannsberg, Flakstellungen errichtet worden waren, fielen auch hier Bomben. Besonders schwer getroffen wurde ein Streifen von der Jutefabrik am Ufer der Bille bis zur alten Kreuzkirche am Kreuzkirchenstieg, die vollständig vernichtet wurde. Einen weiteren Totalschaden gab es an einem Mehrfamilienhaus im heutigen Gothaer Weg, während eine schwere Luftmine zum Glück in den Schleemer Park fiel und nur leichte Zerstörungen anrichtete. So blieb den meisten Billstedtern das Schicksal all derer erspart, die ausgebombt worden waren und in einem bedauernswerten Tross mit den wenigen verbliebenen Habseligkeiten durch den Stadtteil ins Hamburger Umland flüchteten. Gleichwohl wirkten die Zerstörungen lange Zeit nach: So hielten die Einquartierungen Wohnungsloser zum Teil bis weit in die 60er Jahre an, ehe durch die Großsiedlungen, die auch und gerade auf Billstedter Gebiet errichtet wurden, ausreichend neuer Wohnraum geschaffen wurde.


Aber auch unter den alliierten Bomberbesatzungen gab es Opfer. So wurden nicht wenige Maschinen von deutschen Jagdflugzeugen oder aber den Flak-Geschützen abgeschossen. Einige von ihnen stürzten direkt über Billstedter Gebiet ab. Zeitzeugen berichten von zwei Bombern, die sich im Bereich der Ihlestraße und des Hein-Klink-Stadions in die Erde bohrten. An letzterer Stelle soll es zudem einen Überlebenden des Absturzes gegeben haben, der dann jedoch erschossen und mit fünf weiteren Besatzungsmitgliedern an der Ecke Möllner Landstraße/Wegkoppel verscharrt wurde.
Können Sie auch etwas über die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs in Billstedt berichten oder haben Sie Fotos oder andere Dokumente zur Geschichte des Stadtteils, dann wenden Sie sich an die Geschichtswerkstatt Billstedt.
 




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