Ältestes Haus Schiffbeks entdeckt


Den Anstoß gab eine Anfrage an die Geschichtswerkstatt, ob hier etwas bekannt sei über das Gebäude, das sich vor dem Ullnerschen auf dem Spökelberg befunden hat. Gemeint war damit das Haus, das ein gewisser Amtsarzt Dr. Rabe 1823 dort als erstes errichtet hatte, wie ein Aufsatz aus dem Jahre 1883 berichtet. Frau Bieler, die die Anfrage an uns gerichtet hatte, ging ebenso wie wir davon aus, dass das Rabesche Haus von Herrn Ullner 1865 abgebrochen worden war.

 

Das Interesse von Frau Bieler an dem Haus ging von einigen Bildern aus, die sich im Besitz ihrer Familie befinden, von dem Landschaftsmaler Julius Gottheil Mitte des 19. Jahrhunderts geschaffen wurden und ein herrschaftliches Anwesen zeigen, das malerisch am Ufer eines Flusses liegt und den schönen Namen Adlers-Horst trägt.

 


 

Der Familienfama nach soll es sich bei dem Fluss um die Bille handeln. Frau Bieler hatte sich daraufhin auf die Suche nach einem passenden Ort gemacht und war auf den Spökelberg gestoßen. Tatsächlich zeigt das eine Bild eine Aussicht von Adlers-Horst, die eine große Ähnlichkeit mit der Landschaft Billwärders hat, bevor diese durch die Industrialisierung überformt wurde. Zugleich erkennt man auf ihm einen Pavillion, der auch auf einem Bild von Chr. Suhr zu sehen ist, das die Bille bei Schiffbek um 1820 zeigt.

 


Betrachtet man jedoch die Ansichten des Gebäudes, drängen sich doch Zweifel auf. Ist es vorstellbar, dass ein derart repräsentatives Haus im 19. Jahrhundert nach nur 40 Jahren wieder abgebrochen worden ist? Und wo sind die Wallreste, die noch heute auf dem Spökelberg an der Straßenseite gut zu erkennen sind und erst 1865 durchbrochen wurden?

 


 

Zugleich fiel uns auf, dass der Baukörper eine große Ähnlichkeit mit dem Gebäude Billstedter Hauptstraße 114 hat und auch die Lage zur Straße der dortigen Situation von heute in hohem Maße ähnelt. Ferner korrespondieren die beiden Aufhöhungen, die die Gartenseite flankieren, mit dem Bild, das eine Karte aus dem Jahre 1932 von dem Grundstück liefert.


Allerdings wird das Gebäude in einer Liste des Denkmalschutzamtes erst auf 1880/90 datiert, und es gibt in der Straßenansicht einige Abweichungen von der heutigen Situation. So fehlen auf dem Bild noch der heutige Giebel und die Stuckelemente um die Fenster. Außerdem ist der mittlere Teil etwas anders gestaltet: Statt des Erkers befindet sich im Erdgeschoss in der Mitte des Hauses die Eingangstür. Und im Obergeschoss gibt es statt dreier nur zwei Fenster. Doch dies sind alles nur kleinere bauliche Änderungen. Ähnlich dürfte es sich auch auf der Gartenseite verhalten.

Könnte es also nicht sein, dass Adlers-Horst das Haus Billstedter Hauptstraße 114 ist? Vielleicht gehen die baulichen Änderungen ja auf den Besitzer Grube zurück, der auf einer Karte ausgewiesen wird, die dem Artikel von 1883 beigegeben ist. Häufig gehen doch bauliche Änderungen mit einem Besitzerwechsel einher und sind von der Mode ihrer Zeit geprägt. Zugleich ließe sich so die (irrtümliche) Datierung durch das Denkmalschutzamt erklären.

Weiter wird die These schließlich dadurch gestützt, dass das Grundstück, das Dr. Rabe 1823 zur Errichtung seines Wohnhauses für 850 Mark erworben hatte, 18.000 qm umfasste. Die entspricht ziemlich genau der Fläche, die sich ergibt, wenn man die Straßenfronten der beiden heutigen, nebeneinander liegenden Grundstücke Billstedter Hauptstraße 114 und 120 zusammenfasst und bis zum Ufer der Bille misst, so wie die Situation auch noch im Jahre 1932 war.

All dies leitet uns zu dem Schluss, dass das Haus Billstedter Hauptstraße 114 Adlers-Horst ist. Es wurde 1823 von Dr. Rabe errichtet und nicht im Jahre 1865 abgebrochen. Stattdessen hat Dr. Rabe einen Teil seines Grundstücks, den eigentlichen Spökelberg, an Herrn Ullner veräußert, und erst dieser hat dort ein modernes Wohnhaus errichtet.

Damit wäre aber nicht nur das Geheimnis von Adlers-Horst gelöst und das älteste erhaltene Gebäude Schiffbeks identifiziert. Zugleich liefern uns die Bilder aus dem Besitz der Familie Bieler einen Blick auf die Situation im Bereich des Spökelbergs um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Gartenansicht zeigt ein äußerst malerisches Bild vom Billeufer und macht es gut nachvollziehbar, dass dies damals, vor Beginn der Industrialisierung, ein begehrter Standort für Sommerfrischen und ein beliebtes Ausflugsziel war. Die Aussicht liefert ein Panorama des vormodernen Billwärder, wie es bisher kaum überliefert war. Und schließlich dürfte es sich bei den landwirtschaftlichen Gebäuden, die auf der Straßenansicht sowie auf den anderen beiden Bildern am Fuße des Geesthangeszu erkennen sind, um die Anbauerstelle handeln, von der in dem Artikel von 1883 die Rede ist.

Datiert werden müssten die Bilder wohl auf die Jahre 1850-63. Zumindest hat Julius Gottheil in dieser Zeit in Hamburg gelebt.

Das älteste Gebäude Kirchsteinbeks dürfte die Neubauersche Mühle sein. Aber wie sieht es in Öjendorf aus? Kann da auch jemand weiterhelfen? Oder haben Sie zu unseren Ausführungen hinsichtlich des Spökelbergs und Adlers-Horst Anmerkungen? Wir würden uns freuen
 



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